Training

Sicherheitstraining für Motorradfahrer

Sicherheitstraining, muss das wirklich sein? Das ist doch viel zu teuer, nur was für Frischlinge, in der Praxis nicht umsetzbar, zu gefährlich, usw., usw., das sind die Argumente die man hört, wenn man versucht, ein Training zu organisieren. Erstaunlicherweise kommen diese Argumente hauptsächlich von Leuten, die es eigentlich am nötigsten hätten.

Da wir alle mittlerweile an mehreren Trainings teilgenommen haben, können wir diese Argumente leicht entkräften.

Zu teuer
Natürlich sind auch für uns zirka 90 € keine Peanuts. In Anbetracht des persönlichen Sicherheitsgewinns, aber sehr gut angelegtes Geld.

Nur was für Frischlinge
Totaler Blödsinn, wir haben Leute mit 25 jähriger Fahrpraxis auf leistungsstarken Maschinen dabei, die trotzdem viel neues gelernt haben.

In der Praxis nicht umsetzbar
Es ist sicherlich richtig, dass man nicht alles gelernte sofort in die Praxis umsetzen kann. Bei uns allen hat sich aber zum Beispiel die Aussage: „Scheisse geguckt, Scheisse gefahren“ verinnerlicht. Ein Satz der sich leicht anhört, aber unerhört viel aussagt.

Zu gefährlich
Es ist eigentlich normal, das wenn man sich Grenzbereichen nähert, eine gewisse Gefährdung vorliegt. Nur überbewerten darf man diese Gefahr nicht. Bei unseren bisherigen Trainings mit insgesamt 40 Teilnehmern, hat es nur ein Biker geschafft sein Bike in 90 ° Schräglage zu bringen.


 

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Kurzvideo zum Training

Wer also noch lernfähig ist, sollte sich über eine Teilnahme an einem Sicherheitstraining mal Gedanken machen.


 

Im folgenden möchten wir den Ablauf eines typischen Trainings einmal skizzieren.

Die Einführung
Der Tag beginnt mit einer theoretischen Einführung in Technik und Physik. Des weiteren wird die Erwartungshaltung der Teilnehmer abgefragt und jedem Teilnehmer klargemacht, dass alle Übungen freiwillig sind. Nach dieser kurzen Einführung, geht es an die Praxis, die nur noch durch kurze theoretische Erläuterungen unterbrochen wird.

Bike und Fahrercheck
Das das Bike in einem einwandfreien technischen Zustand ist, versteht sich eigentlich von selbst. Ebenso selbstverständlich der einwandfreie Zustand der persönlichen Ausrüstung. Bei der Anpassung Mensch – Maschine treten dann meistens schon die ersten Schwachpunkte auf. Obwohl mittlerweile die meisten Hersteller die Bedienelemente einstellbar ausführen, ist die richtige Einstellung wohl meistens dem Zufall überlassen. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass doch jeder Händler eine umfangreiche Übergabe mit seinen Kunden vornehmen sollte.

Langsam fahren
Immer wieder der Einstieg, immer wieder anstrengend und nicht immer geliebt. Unter langsam fahren verstehen wir den Geschwindigkeitsbereich bis zirka 5 km/h. Langsam geradeaus, Wendemanöver und das Durchfahren einer Hindernisstrecke sind die Grundübungen. In diesem instabilen Fahrzustand, muß der Fahrer ständig balancieren.
Und wie balanciert man? Es gibt eine einfache und eine komplizierte Lösung. Zuerst die einfache Lösung: Der Fahrer lenkt in die Richtung, in die das Mopped zu kippen droht. Die komplizierte Lösung lautet: Der Fahrer muß durch entsprechende Lenkbewegungen dafür sorgen, dass beim Geradeausfahren die Verbindungslinie zwischen den beiden Aufstandsflächen der Räder immer genau senkrecht unter seinem Schwerpunkt verläuft. Schwierig vorzustellen, wird aber von jedem beherrscht. Die folgenden Regeln erleichtern diese Übungen.

Weit vorrausschauen, entfernten markanten Punkt suchen und nicht direkt vor das Vorderrrad.
Im ersten Gang mit schleifender Kupplung fahren.
Auf keinen Fall die Vorderradbremse benutzen.
Die Hinterradbremse gefühlvoll einsetzen, sodaß diese gegen die Kupplung arbeitet.
Beim Wenden dahin gucken wo man hin will.
Scheisse geguckt, Scheisse gefahren.

Und Leute, an der Behauptung: “ Nur wer gut langsam fahren kann, kann auch gut schnell fahren “ ist wohl was dran.

Lenken
Wie lenkt man? Ist doch ganz einfach, oder? Leider nicht, denn wir müssen zwei unterschiedliche Ge- schwindigkeitsbereiche unterscheiden. Fahren wir langsam, also Geschwindigkeitsbereiche bis zirka 10 – 20 km/h, so lenkt das Mopped ( Einspurfahrzeug ) wie ein Mehrspurfahrzeug. Wollen wir z. B. rechts abbiegen, schlagen wir den Lenker rechts ein, also genau wie beim Auto. Mit zunehmender Geschwindigkeit kommen aber hauptsächlich zwei weitere Kräfte ins Spiel. Die Fliehkraft und die Kreiselkräfte. Fahren wir z. B. mit 80 km / h auf einer Landstrasse und wollen eine Rechtskurve einleiten, bewegen wir den Lenker natürlich nach links. Nach links, wieso denn das?

Das physikalische Gesetz das dahinter steckt ist die Präzession des Kreisels. Präzession besagt, dass ein Kreisel der um die Drehachse nach links gelenkt wird, nach rechts abkippt – und umgekehrt. Das heißt im Fahrbetrieb, dass man immer eine entgegen gesetzte Lenkbewegung machen muss um einen Kurve ein- zuleiten. Aha, durch die Lenkerbewegung nach links ergibt sich also Schräglage rechts und die brauchen wir für die Rechtskurve. Eine etwas anschaulichere Lösung bietet uns folgendes Beispiel. Jeder von uns hat wohl schon mal mit einem Besenstiel balanciert. Wollen wir diesen in Schräglage z. B. nach rechts versetzen, bewegt sich unsere Hand nach links.

Auch die Größe der Lenkbewegungen wird meistens überschätzt, fahren wir z. B. Landstrasse bewegt sich der Lenker in Größenordnungen von 0,5 Grad bis 0,8 Grad. In Spitzkehren kommen wir auf Größenordnungen von zirka 5 Grad. Der restliche mögliche Lenkerausschlag wird eigentlich nur beim langsam fahren und rangieren benötigt.

Und was haben wir nun in der Praxis davon? Alles bisher besagte, dient nur als Vorbereitung für eine Übung, den Einsatz der Lenkimpulstechnik.

Die Lenkimpulstechnik ist neben dem Bremsen die wichtigste Fahrtechnik.
Nach dem oben gesagten gilt also:
Will ich nach rechts fahren, drücke ich rechts am Lenker.
Will ich nach links fahren, drücke ich links am Lenker.

Oder ganz allgemein ausgedrückt, da wo man hin will drückt man gegen den Lenker. Das Beherrschen dieser Technik, ist für schnelle Richtungswechsel und Ausweichmanöver unerlässlich. Jeder sollte diese Technik einmal auf einem leeren Parkplatz üben. Er wird überrascht sein, wenn er nur stark und stossartig genug gegen den Lenker drückt, wie schlagartig sein Mopped die Richtung wechselt.

Slalom
Hier kommt das erstemal so etwas wie Action ins Spiel. Geübt werden beim Slalom in erster Linie die im Straßenverkehr relevanten Kurventechniken, sowie die Blicktechnik.

In der klassischen Kurventechnik (legen) legt sich der Fahrer im selben Grad wie das Motorrad. Beim Drücken wird der Oberkörper senkrecht gehalten, während das Motorrad nach unten gedrückt wird. Eignet sich besonders für schnelle Richtungswechsel und Ausweichmanöver.
Motorrad legen Motorrad drücken

 

Bei den anschliessenden Übungen merkt man dann sehr schnell die Vorlieben für die eine oder andere Technik. Für die meisten Kursteilnehmer sind diese Übungen absolut stressfrei und kurzweilig.

Bremsen – Gefahrenbremsung
Stressfrei sind die Bremsübungen wirklich nicht, es sei denn das Mopped ist mit ABS ausgestattet. Beschränkt sich das Bremsen bei ABS Treibern auf Kupplung ziehen und voll in die Eisen, müssen die anderen Teilnehmer eine ganze Reihe von Bewegungsabläufen beherrschen. Aus diesem Grund gliedert sich die Schulung in mehrere Abschnitte.

Die Hinterradbremse
Wenn auch die Wirkung der Hinterradbremse nur einen Bruchteil der Vorderradbremse erreicht, wirkt sie dennoch unterstützend. Da kaum ein Fahrer in der Lage ist, beide Bremsen an der Blockiergrenze zu halten, wird die Hinterradbremse auf Block genommen. Ein blockierendes Hinterrad ist bei ebener Straße relativ einfach zu beherrschen, wenn eine wichtige Regel beachtet wird. Viele Fahrer neigen dazu bei den Bremsübungen den Blick abzusenken und können daher das Mopped nur schwer in der Spur halten. Bei richtiger Blickrichtung, also einen entfernten Punkt anvisieren, sind die Seitwärtsbewegungen der Maschine fast spielerisch abzufangen. Es ist erstaunlich in welch kurzer Zeit diese Übung von den meisten Teilnehmern bewältigt wird.

Die Vorderradbremse
Das Beherrschen der Vorderradbremse ist ungleich schwieriger. Aus diesem Grund teilt sich die Übung in zwei Teile auf. Im ersten Teil soll jeder Teilnehmer das Vorderrad auf Block bringen. Dazu wird der Bremshebel ruckartig und mit hohen Krafteinsatz betätigt. Wichtig bei dieser Übung ist, sofortiges Lösen der Bremse um das Vorderrad wieder freizugeben. Im zweiten Teil wird bei einer Geschwindigkeit von 30 – 50 km/h eine Gefahrenbremsung mit der Vorderradbremse geübt. Wichtig ist das der maximale Bremsdruck so schnell wie möglich aufgebaut wird um möglichst schnell Geschwindigkeit abzubauen, ohne allerdings die Blockiergrenze zu erreichen. Wird auch diese Übung beherrscht, wird alles bisher gelernte zur Anwendung gebracht.

Die Gefahrenbremsung
Folgende Aufgabe wird zum Abschluss der Bremsübungen vom Instruktor gestellt. Vollziehen einer Gefahrenbremsung aus zirka 50 km/h, bei gleichzeitigem Herunterschalten in den ersten Gang um bei Gefahr den Gefahrenbereich verlassen zu können. Wer diese Übung mehrere Male absolviert hat, weiss was er getan hat. Eines sollte sich jeder noch einmal vor Augen halten, ob mit oder ohne ABS.

Schneller Reisen Der Anhalteweg

 

Ausweichen – Ausweichen mit Bremsen
Viel schwieriger als die beiden Übungen, ist es die richtige Entscheidung zu treffen ob überhaupt eine der beiden Möglichkeiten zur Anwendung kommt, oder alleiniges Bremsen vorzuziehen ist. Allgemeingültige Aussagen sind unmöglich, da eine Vielzahl von Faktoren berücksichtigt werden müssen. Nicht nur die Geschwindigkeit und das Umfeld, sondern auch die Art des Hindernisses müssen bedacht werden. Entscheidend beim Ausweichmanöver ist aber, dass man absolut überzeugt ist, dass das Manöver auch wirklich gelingt. Denn bei einem Misserfolg hat man keine Geschwindigkeit abgebaut. Um aber überhaupt eine Wahl zu haben, müssen natürlich beide Möglichkeiten geübt werden.

Ausweichen ohne Bremsen
Für diese Übung beschleunigen wir auf etwa 50 km/h. Am letzten Hütchen betätigen wir dann die Kupplung und umfahren das Hindernis unter Einsatz der Lenkimpulstechnik. Auch hier gilt, der Blick führt die Bewegung. In der zweiten Hütchengasse wird dann wieder eingekuppelt und die Übung zu Ende gefahren. Schwieriger gestaltet sich die Aufgabe durch verringern des Mindestabstandes von 9 m, oder dadurch das der Instruktor erst im letzten Moment die Ausweichrichtung vorgibt.

Motorrad auseichen ohne bremsen

Ausweichen mit Bremsen
Diese Übung ist etwas schwieriger als die vorhergehende, da noch das Bremsen dazu kommt. Aus diesem Grund ist der Parcours auch enger gesteckt, da wir ihn mit geringerer Geschwindigkeit durchfahren. Wir starten die Übung ebenfalls mit 50 km/h, bremsen aber dann auf 30 km/h ab. Der Rest der Übung ist dann identisch. Wichtig ist aber die eindeutige Trennung von Brems- und Ausweichvorgang.

Motorrad ausweichen mit bremsen

Die Kreisbahn
Wer schräglagenscheu fährt, lebt gefährlich. Viele schwere Unfälle passieren, weil der Fahrer einfach nicht in der Lage ist seine schräglagenscheu zu überwinden. Schräglagen von bis zu 25 Grad, beherrscht eigentlich jeder, da diese Schräglagentoleranz beim Menschen quasi angeboren ist. Alles was über diese 25 Grad hinausgeht, muss antrainiert werden. Hierzu eignet sich die Kreisbahn perfekt, denn neben einen sehr griffigen Asphalt überwacht ein erfahrener Instruktor diese Übung. Aufsetzende Fussrasten und Hauptständer zeigen an, dass man sich der maximal möglichen Schräglage langsam nähert. Die hohe Schule beginnt dann mit zusätzlichen Bremsübungen bei Schräglage. Was hier möglich oder auch nicht möglich ist, verdeutlicht der Kammsche Kreis.

Der Kammsche Kreis