2004 – Ahrntal

Motorradurlaub 2004 Dolomiten
Hotel Adler in St. Johann / Südtirol vom 21.06 – 29.06.2004

Allen Beteiligten an der Reiseplanung 2004 ist klar, dass der Urlaub 2003 nur schwer zu toppen ist. Wetter, Touren und Unterkunft alles vom Feinsten. Eine Stellschraube wird dann aber doch noch gefunden, die Planungsdauer kann man drastisch verlängern. Gesagt, getan. Ab Oktober 03 bis Juni 04 wird die Gastronomie im Kreis Stade, und darüber hinaus, in die Planungen

eingebunden. Nach unzähligen Schnitzeln, Grilltellern, Salaten sowie einer nicht mehr zu bestimmenden Menge Mineralwasser sind alle Vorbereitungen abgeschlossen.

Unsere Unterkunft – das Hotel Adler

Als Unterkunft wählen wir das Hotel Adler in San Giovanni. Die Buchung der Bahnreise erweist sich als relativ schwierig, da die Bahn die günstige Verbindung Hamburg – München am Montag gestrichen hat, und nur noch den teureren Talgo anbietet. Aus Protest gegen die Preispolitik der Bahn wählen wir die Verbindung Hamburg – Lörrach, München – Hamburg. Obwohl der Protest erfolgreich ist, gespart haben wir mit Sicherheit keinen Cent.

 

Am 21.06.04 startet dann endlich die Sternfahrt Richtung Altona.

Unser Ziel – das Ahrntal

Bei durchwachsenem Wetter treffen sich gegen 18:30 alle 9 Teilnehmer / Innen am Bahnhof. Da der harte Kern vom Vorjahr bereits vorbelastet ist, bereitet das Verladen der Moppeds und das Beziehen der Abteile, auch für die Neuen, keine Probleme. Mit Bacardi Cola ( selbstverständlich mit Eis ) bei den Rauchern, bzw. Alkopops bei den Nichtrauchern wird für die nötige Bettschwere gesorgt. Nach Berichten aus Lörrach zufolge, soll der Barcadi besser gewirkt haben.

 

Der zweite Tag – Die Anreise

Morgens gegen 06:00 Uhr gelingt uns der erste, durch die Schlafverstärker noch leicht getrübte Blick, in den wolkenverhangenen schwäbischen Himmel. Auch wenn bis Lörrach noch viel Zeit ist, herrscht in der Alkopops Abteilung bereits rege Betriebsamkeit.

Ankunft am Bahnhof Lörrach

Nach dem gewohnt gewöhnlichen Frühstück der Bahn, gelingt uns das Entladen der Moppeds noch in Trockenheit. Auf Grund geringer Tankkapazitäten, astronomischer Verbrauchswerte oder weil man halt Kumpel ist wird in Lörrach noch mal vollgetankt, um die immerhin fast 250 km lange Strecke bis zur Östereichischen Grenze Non Stop bewältigen zu können. In Rheinfelden verlassen wir Schwaben bei einsetzenden Regen und wechseln in die Schweiz über.

Die Schweiz muss ein schönes Land sein, wenn man es doch nur sehen könnte. Wir sehen nur grau. Grauer Himmel, graue Autobahn und eine graue Wasserwand, aufgewirbelt durch starken Reiseverkehr. Bei diesen Verhältnissen ist es kein Wunder, dass sich unsere Gruppe innerhalb kürzester Zeit aus den Augen verliert. Vor jeder Tunneleinfahrt die insgeheime Hoffnung auf der anderen Bergseite wird es besser, aber im Gegenteil. Zwar wird kurz vor Zürich die Sicht schlagartig besser, aber nicht weil der Regen nachlässt, sondern weil wir jetzt auch noch stehen. Nichts geht mehr. Neun anfangs hochmotivierte norddeutsche Kradler, stehen mit hochgezogenen Schultern und eingezogenen Köpfen, frustriert im Stau. Einziges Lebenszeichen der Truppe, ist krampfhaft erscheinendes, heftiges Kopfschütteln um das Visier vom Wasser zu befreien.

Am Bodensee ist es endlich trocken

Das einzige was mittlerweile noch trocken ist, ist die bei jedem unterschiedlich abgedeckte Sitzfläche. Als erster erwacht Frank aus der allgemeinen Lethargie, und erkundet sich bei einem Schweizer Autofahrer nach einer Alternativstrecke. Tatsächlich steigert sich kurz danach unsere Durchschnitts- geschwindigkeit auf cirka 6 km / h, und es gelingt uns die Autobahn zu verlassen. Bei langsam nachlassenden Regen umfahren wir Zürich grossräumig um dann wieder in Richtung St. Gallen auf die Bahn zu fahren. Mit jedem gefahrenen Kilometer bessert sich das Wetter und damit auch die Laune unserer Truppe. Und dann tatsächlich, das Wunder vom Bodensee, die Sonne scheint. Sofort wird der nächste Rastplatz angefahren. Ein herrlicher Ausblick auf das schwäbische Meer entschädigt ein wenig für den bisherigen Tourenverlauf. Da unser Zeitplan mittlerweile stark durcheinander gekommen ist, geht es nach kurzer Rast weiter nach Österreich.

 

Kurz vor dem Arlbergtunnel

Euroland hat uns wieder. Unmittelbar hinter der Grenze in der Ortschaft Lüstenau werden, bei strahlendem Sonnenschein, erstmal die Moppeds und anschließend die Fahrer versorgt. Und wieder freuen sich die Besitzer von Reihenvierzylindern über den geringen Verbrauch ihrer Maschinen, der zum Teil im drastischen Widerspruch zum Verbrauch ihrer Fahrer steht. Frisch gestärkt geht es jetzt weiter in Richtung Innsbruck.

Die Europa-Brücke

Unterbrochen wird die Tour durch den eindrucksvollen, im Jahr 1978 fertig gestellten, Arlbergtunnel. Ein wirklich imposantes Bauwerk, so beträgt die Gesamtlänge einschließlich der Galerien 15536 m, der bergmännische Teil immerhin noch 13972 m. Nach wieder nur kurzer Rast geht es weiter zum Brenner. Ein letztes Mal noch Abzocke in Österreich und wir sind in Südtirol. Nach einem kurzen und relativ preiswerten Stück Autobahn, verlassen wir diese kurz vor Brixen in Richtung Bruneck. Die Anfahrt zum Ahrntal erweist sich als schwierig, da Bruneck aus einer einzigen Baustelle zu bestehen scheint. Nachdem auch diese letzte Schwierigkeit überwunden ist, kommen wir gegen 18:00 Uhr im Hotel Adler an. Ruck Zuck werden die Zimmer bezogen, sich frisch gemacht, und ab zum Abendbrot. Beim Abendessen wird noch mit der Bedienung, in einem freundschaftlichen Gespräch, die Größe der erwarteten Portionen geklärt. Schon am frühen Abend geht der zweite Tag zu Ende.

Der dritte Tag – In die Dolomiten

Gleich nach dem Aufstehen ein erster kritischer Blick zum Himmel. Immerhin keine geschlossene Wolkendecke und die Strassen sind auch trocken. Nun muss nur noch die heutige Etappe festgelegt werden. Jetzt kann die Gruppe vom Vorjahr natürlich auf ihren reichen Erfahrungsschatz an Highlights zurückgreifen. Auch auf Grund der Wetterlage, soll es heute die kleine Sella – Runde werden. Da unsere Gruppe aus immerhin 9 Moppeds besteht, werden vor der Abfahrt eindeutige Zwischenstopps festgelegt. Wie sich noch zeigen sollte, eine kluge Entscheidung. Gegen 09:00 Uhr verlassen wir unser Hotel um über die Sonnenstrasse Richtung Brixen zu starten. Eine wirklich angenehme Überraschung diese Strasse. Wenig Verkehr, guter bis sehr guter Belag und im letzten Teil wunderbar rund zu fahrende neu angelegte Kehren. Genau das richtige um warm zu werden. Das nächste Teilstück durchs Eissacktal bis Bozen Nord ist nicht so aufregend und eigentlich nur leichtes Vorgeplänkel.

Das Hotel Alpenrose wirbt mit Motorradfreundlichkeit

Nachdem unsere Gruppe wieder zusammen gefunden hat, geht es durchs Eggental Richtung Karerpass. Immer wieder ein tolles Erlebnis hier durchzufahren. Bei der Vielzahl an Kurven, ist es kein Wunder, dass sich die Gruppe schnell auflöst. Vorbei an Welschnofen und dem kitschig, schönen Karersee erreichen wir kurz vor dem Karerpass mit dem Sporthotel Alpenrose unseren ersten Kaffeestop. Während der Pause sieht man doch ein ziemlich breites Grinsen auf den meisten Gesichtern. Nach kurzer Zeit das Kommando „Fertig werden“ und ab Richtung Sella.

Die Alpenrose, von Bikes umlagert

Die Fahrt über den 1745 m hohen, gut ausgebauten, Karerpass ist schnell erledigt. Die folgende Fahrt nach Canazei verläuft ohne weitere Höhepunkte. Dies soll sich jedoch auf der Auffahrt zum Pordoi Joch schlagartig ändern. Endlich wieder Spitzkehren. Bis kurz nach dem Abzweig Sella Joch herrliches Kurvenräubern. Dann plötzlich eine Baustelle und was für eine. Tief eingefräste Rillen, die dem Mopped die Fahrtrichtung vorgeben, dazu ein klebriger Asphalt mit Rollsplitt in allen Grössen garniert. Es klappert und klödert, trotz umsichtiger Fahrweise, das einem Angst und Bange wird. Zum Glück reicht die Baustelle nicht bis zur Passhöhe, so das man zum Schluss noch mal richtig angreifen kann. Am Eingang zur Passhöhe werden die Moppeds abgestellt, um die nachfolgenden Kollegen bei ihrer Fahrt durch die Kehren zu beobachten. Nachdem der letzte angekommen ist, wird eine Besichtigung der Hinterradreifen vorgenommen. Tätsächlich ist es den meisten gelungen, den ganz bezahlten Reifen auch ganz zu nutzen. Als Zugabe sind auch noch alle Reifen mit Rollsplitt garniert. Wir gehen davon aus, dass die Steinchen bei der Weiterfahrt von alleine wegfliegen. Plötzlich hören wir in 2239 m Höhe lautes, brüllendes Kreischen einer Ninja. Jochen ist von der Selbstreinigungskraft seines Reifens nicht überzeugt und hat mit einem Burn Out nachgeholfen.

SR setzt seine Duftmarke „wir waren hier“

Die jetzt folgenden 33 Kehren auf den Weg nach Arabba sind dann vom allerfeinsten. Alle gut einzusehen und rund und flüssig zu fahren. Doch kurz vor Arabba ein Riesenschreck. Ein Meisterwerk italienischer Motorradbaukunst verlässt in einer Kehre die Ideallinie. Wieso und warum weis keiner, zum Glück gelingt es Klaus das Mopped abzufangen. Etwas defensiver geht es zum nächsten Stop ins Festungshotel Al Forte.

Als letzter Pass steht heute der 1875 m hohe Campolongo auf dem Programm. Auch wenn er gegenüber den anderen Pässen der Sella Runde etwas abfällt, hat er uns dennoch viel Spass gemacht. Über Corvora und Stern verlassen wir dann die Sella Runde. In Stern wird dann, gegen das aufkommende Hungergefühl, noch das Cafe Christiana angefahren. Über die SS 244 geht es dann, unterbrochen durch einen Tankstop in St. Martin, Richtung Pustertal. Leider müssen wir kurz vor Zwischenwasser feststellen, dass die SS 244 Richtung Bruneck gesperrt ist. Als Alternative wählen wir die Strecke über den Furkelsattel. Nach nur wenigen Kilometern entdecken wir im letzten Moment ein kleines Schild mit der Aufschrift Bruneck. Schnell den Blinker gesetzt, und ab geht die Post. Schnell müssen wir erkennen, dass Schildergrösse und Strassenbreite in einem unmittelbaren Zusammenhang stehen.

Die Ahr

Ausser ein paar vereinzelt stehenden Häusern gibt es hier bis St. Lorenzen nichts. Dafür aber jede Menge kaum einzusehender zum Teil extrem enger Kurven. Zum Glück haben wir keine breitbauenden Boxer dabei, so das wir auch bei Gegenverkehr nicht anhalten müssen. Im Pustertal angekommen, liegt dann nur noch Bruneck und das Ahrntal vor uns. Auf jeden Fall war diese 240 km lange Tour ein gelungener Einstieg.

 

Der vierte Tag – Das Sarntal

Endlich mal ein Morgen der uns mit strahlendem Sonnenschein empfängt. Es spricht also nichts

Montage der Videokamera

dagegen, heute richtig anzugreifen, und die längste Etappe über 295 km anzugehen. Die heutige Tour soll uns über Sterzing, Penser Joch, Sarntal, Klobenstein und Würzjoch wieder zurück ins Ahrntal führen.

Kurz nach 08:00 Uhr starten wir, um wieder über die Sonnenstrasse Richtung Brixen zu fahren. Vor Brixen geht es dann auf die alte Brennerstrasse. Erstaunlich schnell und bei wenig Verkehr erreichen wir Sterzing. Mit voll getankten Moppeds dann noch ein kurzer Stopp auf der Nordrampe des Penser Jochs, um die Videokamera zu montieren. Es wird verabredet, dass die “ Kamera “ als letztes startet, und sich dann langsam nach vorne arbeitet. Dies hat den Vorteil, dass alle Teilnehmer auf dem Video zu sehen sind. Zügig geht es den Pass hoch und die Kamera arbeitet sich von den Kradlern unterstützt langsam nach vorn. Hinter der nächsten Kurve kommt dann eine rote VFR in Sicht. Irgendwas hat der Biker falsch verstanden und gibt Stoff. Die VFR jault, dass es einem durch Mark und Bein geht, und man unwillkürlich an seinen Zahnarzt denkt. In der nächsten Kehre nimmt der Fahrer so gar die Füße zu Hilfe, verliert dadurch aber an Geschwindigkeit und das Thema hat sich erledigt. Zwei Kehren weiter kommt das führende Dreigestirn in Sicht. Jochen und Klaus sitzen Birgit, natürlich nur bildlich gesprochen, im Nacken.

Die Passhöhe Penser Joch

Birgit hat das seltene Erlebnis, in jedem Rückspiegel, formatfüllend, ein anderes Mopped zu sehen. Besonders interessant ist, dass anschließend einer links und der andere rechts überholt. Den Rest des Passes auf 2211 m Höhe geht es dann wieder gesittet zu. Oben angekommen, bietet sich uns wieder ein herrliches Panorama, auch wenn es hier oben doch rauer zugeht als auf den Dolomitenpässen.

 

 

Die nun folgende Abfahrt über die Südrampe des Penser Jochs hinunter ins Sarntal, ist vom allerfeinsten.

Blick auf das Sarntal

Das abgeschieden liegende Sarntal verspricht Motorradspass vom Feinsten. Die dünne Besiedelung, der geringe Verkehr und die landschaftliche Schönheit des Tales sind eine echte Alternative zum Eissacktal. Kurz hinter Sarntheim dann die erste vernünftige Pause an diesem Tag. Frisch gestärkt, verlassen wir jetzt das Sarntal über den Ritten Richtung Klobenstein. Dieses Stück Strecke hat es in sich. Kurven ohne Ende, toller Belag und das Non Stopp bis Klobenstein. Fast zwangsläufig reisst die Gruppe wieder auseinander. Nun sind die Schnellsten nicht zwangsläufig auch die Ersten. Die erste Gruppe verpasst die Abfahrt Richtung Barbian, und landet in einer Sackgasse. Kein Problem meinen wir, da einer der Kollegen ein GPS mitführt. (Warum der nicht vorne fährt, weis keiner.) Laut GPS befinden wir uns auf keiner Strasse, sondern irgendwo in der Wildnis. Also umdrehen, einen netten Südtiroler fragen, und schon haben wirs. Die Abfahrt nach Barbian bietet dann wohl einen der schönsten Ausblicke auf die Dolomiten, einschließlich Rosengarten, Schlern und Eissacktal. Unten im Eissacktal angekommen herrschen hochsommerliche Temperaturen. Daher fahren wir zügig in Richtung Klausen weiter. Kurz hinter Klausen verlassen wir die alte Brennerstrasse, um das Würzjoch zu erreichen.

 

Da wir ja mittlerweile nur noch zu viert sind, gehen wir die Strecke nach Funes flott an. Langsam lauter werdend hören wir ein raues, mechanisch ungesundes Bollern. Erstaunlich, dass die Flächenrüttler so weit oben noch anzutreffen sind. Da der Geräuschpegel in keinem Verhältnis zur Geschwindigkeit steht, werden die beiden kurzer Hand einkassiert. Kurioserweise haben wir das Vergnügen nach einer kurzen Pause noch einmal, diesmal jedoch einschließlich Servicewagen. Auf stetig schlechter werdenden Strassen nähern wir uns dann dem 1987 m hohen Würzjoch. Kurz vor erreichen der Passhöhe, wieder dieses uns mittlerweile bekannte Geräusch. Also die Beiden können das nicht sein. Zu unserer Verwunderung sehen wir auf der Passhöhe eine Vielzahl merkwürdig verkleideter Gestalten, die sich um eine kleine Anhöhe versammelt haben. Unser erster Verdacht, dass es sich um heidnisches Brauchtum der Südtiroler handelte, war jedoch nicht ganz richtig. Zwar könnte die zur Schau gestellte Technik aus dieser Zeit stammen, die Verkleideten waren aber allesamt Harleyfahrer.

Das Würzjoch

Zum Glück war die Veranstaltung gerade zu Ende, und der Tross fing an sich zur Abfahrt zu formieren. Noch einmal tief durchatmen und hoffen das der Tross nicht unseren Weg nimmt, denn die Zeit hätten wir kaum noch aufgeholt. Langsam kehrt die gewohnte Ruhe über dem Würzjoch wieder ein. Drei der am Ritten verlorenen Kollegen treffen wir hier oben wieder. Horst und Olli erlitten im Eissacktal einen Schwächeanfall, der sie veranlasste direkt ins Ahrntal zu fahren. Somit machten wir uns zu siebt auf den Weg zum Furkelsattel

 

Der 1782 m hohe Furkelsattel fährt sich interessanter als gedacht. Einige Teilstücke, weisen immerhin bis zu 15% Steigung auf. Außerdem herrscht hier geringer Verkehr. Dies ändert sich aber schlagartig, als wir kurz vor Olang das Pustertal erreichen. Baustellen, zäh fließender Verkehr so richtig Spaß macht das hier nicht. Wir machen drei Kreuze als Bruneck hinter uns liegt. Das letzte Teilstück durch das Ahrntal, erweist sich dann aber wieder als schöner Tourenabschluss.

Der fünfte Tag – Nach Cortina

Den letzten Urlaubstag starteten wir nur noch mit 8 Fahrern. Olli fühlte sich nach der letzten Etappe noch nicht wieder richtig fit, und verzichtete auf die Tour. Er hat eine ganze Menge versäumt, denn es standen heute 5 Pässe und ein Sattel auf dem Programm. Der Einstieg in die Tour erwies sich als recht kompliziert, denn wir schafften es uns schon in Bruneck zu verlieren. Um die Gruppe wieder zusammenzuführen, wartete Gruppe 1 kurz vor Perca auf die vermeintlichen Nachzügler. Als Gruppe 2 auch noch nach 10 Minuten nicht zu sehen ist, wird modernste Technik zum Einsatz gebracht.

Warten auf Nachzügler

Über Handy erreichen wir Horst, der uns mitteilt das sie gerade am tanken sind. Also gut, warten wir halt ein bisschen. Nach weiteren 15 Minuten kehrt langsam wieder Ungeduld ein, und wir beschliessen weiter zu fahren und kurz vor Toblach Pause zu machen. Von der Raststätte aus kann man sehr schön die Strasse beobachten, aber von unseren Kumpels ist nichts zu sehen. Also Handy, zweiter Versuch. Die jetzt folgende Mitteilung von Horst versetzt uns dann doch in ungläubiges Staunen. Er teilt uns mit, dass sie gerade in Cortina, also immerhin 34 km weiter, angekommen sind. Womit mal wieder bewiesen wäre, dass eine geglückte Streckenauswahl der reinen Motorleistung haushoch überlegen ist. Immer noch verwundert machen wir uns auf den Weg nach Cortina.

 

Die jetzt folgende Strecke nach Cortina, hat Höhen und Tiefen. Die beiden Pässe, Sant Angelo mit 1765 m und der Croci mit immerhin 1805 m sind nicht wirklich toll. Natürlich nur im Vergleich mit anderen Dolomitenpässen.

Kitschig schön – der Misurina-See

Dafür entschädigt der Misurinasee, der eingebettet in einem grandiosen Gebirgspanorama liegt. Kaum losreissen kann man sich von diesem Anblick. Trotzdem geht es nach etlichen Fotos weiter. Cortina selber hat uns nicht vom Hocker gehauen, dafür aber der Blick in den Talkessel, von der gemeinsamen Ostrampe des Falzarego bzw. des Giaupasses.

Kurz hinter Cortina biegen wir links zum Giau ab. Der mit 2230 m zweithöchste Dolomitenpass soll es in sich haben, kurz gesagt, er hatte es. Über der Passhöhe hängen drohende Regenwolken, trotzdem entschliessen wir uns die Videokamera zu montieren. Schnell zeigt sich, dass die Ostrampe in einem maroden Zustand ist. Übersät mit Frostaufbrüchen und abgesackten Seitenrändern kämpfen wir uns die 31 Kehren bis zum Pass hoch.

Die Passhöhe des Giau

Zu allem Überfluss scheint auch noch die italienische Nationalmannschaft der Radfahrer hier zu trainieren. Haben wir bei der Passankunft noch halbwegs gute Sicht, so zieht es hier oben innerhalb weniger Minuten total zu. Genauso schnell wird die Sicht aber wieder besser, und das sich jetzt bietende Panorama kann es mit jedem anderen Pass aufnehmen. Die nun folgende Südrampe gehört mit ihren 24 Kehren zu den schönsten Abfahrten überhaupt. Die leicht überhöht gebauten Kehren erlauben ein sehr flottes fahren, speziell auch für Rennräder. So muss doch tatsächlich ein Teil unserer Gruppe die leidvolle Erfahrung machen, wie es ist bei Tempo 70, von einem Rennrad abgestraft zu werden. Zu guter letzt fängt Günters Fazer auch noch keck mit dem Hinterteil das Tanzen an. Beherztes betätigen der Kupplung lässt sie dann aber schnell wieder friedlich werden. Bis in die Haarspitzen konzentriert geht es dann weiter nach Colle Santa Lucia.

Die Fahrt bis Cernadoi verläuft richtig gemütlich. Dies ändert sich mit der beginnenden Auffahrt zum 2105 m hohen Falzarego mit seinen über 20 Kehren. Viele Dolomitenkenner schätzen diesen Pass sogar höher als das Pordoi Joch ein. Uns ist es egal, denn beide haben uns richtig Spaß gemacht. Ganz besonders das letzte Stück vor erreichen der Anhöhe hat es gehörig in sich.

Der Valparola-Pass

Der obligatorische Pass-Stop findet aber auf dem nur 2 km entfernten Valparola statt, der eine noch schönere Aussicht auf die Bergwelt der Dolomiten bietet. Auf der kurzen, aber knackigen Abfahrt in Richtung Stern verabschieden wir uns von der Sella Runde. In Stern angekommen unser fast schon traditioneller Stop im Cafe Christiana. Frisch gestärkt geht es in Richtung Zwischenwasser, und weiter über den schon bekannten Furkelsattel nach Olang. Hier unten im Pustertal holt uns dann die Wirklichkeit wieder ein. Endlose Blechlawinen wälzen sich Richtung Bruneck, und machen ein zügiges Weiterkommen unmöglich. Endlich im Ahrntal angekommen, bekommen wir noch gratis eine erfrischende Dusche. Gegen 18:00 Uhr geht ein an Höhepunkten reicher Tag zu Ende.

Der sechste Tag – Wieder nach Deutschland

Der letzte Urlaubstag in Südtirol ist angebrochen. Heute sollte das Wetter darüber entscheiden, ob es über den schnellen aber langweiligen Brenner oder über den Grossglockner nach Deutschland gehen soll.

Der Großglockner

Zum Glück erwartet uns ein herrlicher Sommermorgen. Ein letztes mal geht es durchs schöne Ahrntal Richtung Bruneck. Im Pustertal wie üblich endlose Blechlawinen. Hinter Toblach nimmt die Verkehrsdichte rapide ab und kurz vor Arnbach verlassen wir Südtirol. Österreich empfängt uns mit gewohnt guten Strassenbelag und Lienz wird schnell erreicht. Auf Grund der in Österreich günstigen Spritpreise wird noch einmal vollgetankt und dann „Großglockner“ wir kommen.

Bereits kurz hinter Lienz beginnt der Spass mit dem 1204 m hohen Iselsbergpass. Die folgende Fahrt ins Mölltal bietet die ersten landschaftlichen Höhepunkte bevor die eigentliche Großglockner Hochalpenstrasse in Heiligenblut beginnt. 17 € sind hier fällig, wirklich ein stolzer Preis. Im Gegenzug wird aber auch eine Menge geboten. Unabhängig davon ob man wirklich alles braucht, der Strassenbelag ist absolute Spitze.

Auch wenn es in den Alpen höhere, steilere oder Pässe mit mehr Kehren gibt, in der Summe ihrer Eigenschaften ist die Großglockner Hochalpenstrasse kaum zu schlagen.

Nochmals ein Blick auf den Großglockner

Das einmalige Hochgebirgspanorama der Hohen Tauern gibt es noch gratis dazu, und wenn man sich verfährt kann man sogar noch den Pasterzengletscher bewundern. Auf jeden Fall ist die Fahrt bis zum 2504 m hohen Hochtor ein tolles Erlebnis. Selten hat uns ein Passtop soviel Spass gemacht. Die Abfahrt nach Ferleiten steht der Südrampe in nichts nach. In der Gewissheit für längere Zeit, Strassen dieser Qualität nicht mehr zu sehen lassen wir es noch einmal richtig fliegen. Mit leicht zittrigen Händen und etwas weichen Knien nehmen wir Abschied vom Großglockner.

Auf der jetzt folgenden Abfahrt in Richtung Zell am See, kehren wir in der Ortschaft Fusch beim Bärenwirt ein. Nach einer ausgiebigen Mittagspause geht es weiter Richtung Salzachtal. Bis Mittersill begleitet uns noch das Panorama der Hohen Tauern. Gleich hinter Mittersill fahren wir über den 1274 m hohen Thurnpass Richtung Kitzbühel. Vom bekannten Kitzbühel sind wir etwas enttäuscht, von der Streckenführung bis Wörgl allerdings begeistert. Da wir beim Mittagessen viel Zeit verloren haben, geht es bei Wörgl auf die Bahn.

Kurz hinter Kufstein verlassen wir Österreich und Deutschland hat uns wieder. Das letzte Teilstück bis München, unterbrechen wir nur noch durch eine kurze Rast bei Holzkirchen.

Jochen’s Ninja ist bereit für die Heimreise

An der Dönerbude am Bahnhof, erweitert Klaus dann noch seinen kulinarischen Horizont, indem er tatsächlich einen Döner bestellt. Die noch folgende Verladung und das beziehen der Abteile ist ruck zuck erledigt. Da bis zur Abfahrt des Zuges noch reichlich Zeit ist, werden noch ein paar geistige Getränke besorgt. Mit deren Hilfe vergeht die Zeit wie im Flug, und da wir doch etwas geschafft sind, werden wir an diesem Abend nicht alt.

Der siebte Tag – Der Empfang

Recht gut geschlafen haben wir, als der Zug sich frühmorgens Hamburg nähert. Durch den wirklich guten Kaffee werden die Lebensgeister endgültig wieder geweckt. In Hamburg – Altona angekommen werden die Moppeds zügig entladen und ab geht es Richtung Süden zur Elbe.

Vorbei an den riesigen Containeranlagen fahren wir durch Finkenwerder ins Alte Land. Obwohl das Wetter leicht unbeständig ist, geht es wie immer zum Abschluss einer Tour nach Stadersand.

Bereit machen für das obligatorische Gruppenfoto in Stadersand

Sogar ein Containerschiff mittlere Grösse passiert den Anleger, als wir die Elbe erreichen. Zugegeben, platt ist es hier, aber die Elbe und die Seeschifffahrt haben gewiss ihren eigenen Reiz. Nur noch wenige Kilometer liegen jetzt vor uns, bevor wir gemeinsam mit unseren besseren Hälften ein ausgezeichnetes Frühstück geniessen können. Nach etwa zwei Stunden, fährt dann wohl jeder mit der Meinung nach Hause: Es hat mal wieder richtig Spaß gemacht.