2003 – Dolomiten

Motorradurlaub 2003 Dolomiten Nigglhof in Welschnofen / Südtirol vom 22.06 – 28.06.2003

Bereits im Herbst 2002 begannen wir die Planungen für einen gemeinsamen Motorradurlaub in die Dolomiten. Nach etlichen Sichtungen von Prospektmaterial, fiel die Entscheidung zu Gunsten des Nigglhofs im Eggental.

Die An – und Abreise von Hamburg nach München und zurück sollte mit dem Autoreisezug der DB erfolgen. Nachdem der Termin der Reise festgelegt und Hotel und Autoreisezug gebucht waren, begann das lange Warten auf den 22.06.03. Endlich, es ist soweit Am 22.06.03 trafen sich die fünf Dolomitenfahrer Dietmar, Frank, Günter, Jochen und Klaus pünktlich um 17:30 Uhr in Stade am vereinbarten Treffpunkt.

Erwartungsgemäss tobte um 17:35, nach vierwöchiger stabiler Schönwetterlage, ein Unwetter mit sintflutartigen Regenfällen über Bützfleth. Zum Glück war das Unwetter von kurzer Dauer, so das wir mit einer nur kleinen Verspätung Richtung Hamburg – Altona starten konnten. Nachdem wir in Finkenwerder einen Sandsturm überwunden hatten, kamen wir überpünktlich auf dem Bahnhof an. Sofort kümmerte sich unser Tourenhase Frank um alle Formalitäten ( Jahrelange Autoreisezug Erfahrung ). Nach einer kurzen Wartezeit hatte Frank alles erledigt, und wir konnten unsere Maschinen auf dem Bahnsteig abstellen.

Warten auf Verladung in Altona

Da bis zur Verladung noch ausreichend Zeit war, stärkten wir uns noch ausgiebig bei McDonalds. Mit einer ca. 1 1/2 stündigen Verspätung begann dann die Verladung der ersten Motorräder. Nachdem ein norwegischer Biker bereits nach 3 Metern seine BMW !!! in 90 Grad Schräglage gebracht hatte, fuhren wir entsprechend vorsichtig auf die Waggons. Die Verladung der Motorräder verlief überraschend zügig, so das wir unser Abteil gegen 21:30 beziehen konnten. Das Verstauen des Gepäcks erwies sich als nicht so einfach, da anschliessend auch noch 5 Erwachsene Männer Platz finden mussten. Nach einigem Hin und Her verliess der Zug dann gegen 23:00 Uhr den Bahnhof.

Da aus verständlichen Gründen das Abteilfenster nicht ganz verschlossen wurde, stellte sich ein doch erheblicher Lärmpegel ein. Trotz des Lärmes hörte man, nach einer gewissen Zeit, gleichmässige Atemgeräusche. Damit hatte der erste Reisetag ein erfolgreiches Ende genommen.

Der zweite Tag – Anreise zum Nigglhof

Als es im Abteil langsam heller und schneller lauter wurde, war die Nacht gegen 05:00 Uhr für uns zu Ende. Leider empfing Bayern uns mit typischen Hamburger Schmuddelwetter. Nachdem wir unser Abteil für das reichhaltige Frühstück ( Kaffee, Saft, Hörnchen und einen Powerriegel )umgebaut hatten, ging es schon wieder ans packen, da der Zug halbwegs pünktlich in München einlaufen sollte.

Um die Zeit beim Entladen der Moppeds zu verkürzen, wurde selbst mit angepackt. Kurz nach 08:00 Uhr stand unsere Truppe abfahrbereit auf dem Bahnhof. Frank übernahm die Führung und über die Autobahn A 8 ging es raus aus München. Mit jedem gefahrenen Kilometer wurde das Wetter besser. Die Autobahn verliessen wir an der Abfahrt Holzkirchen, um über Bad Tölz Richtung Kesselbergstrasse zu fahren. Die Kesselbergstrasse ist eine wunderschöne Kurvenstrecke, wenn auch die Bürgerkäfige ein zügiges Vorankommen unmöglich machten. Ca. 4 km hinter der Ortschaft Walchensee, biegt links eine kleine mautpflichtige Strasse Richtung Sylvensteinsee ab. Die geringe Mautgebühr lohnt sich auf jeden Fall. da die Strecke sehr wenig Verkehr und eine interessante Streckenführung aufweist. Kurz hinter dem Sylvensteinsee verliessen wir Bayern und wechselten nach Österreich über. In Österreich erwartete uns mit dem

Stopp am Achensee

Achensee ein weiterer landschaftlicher Höhepunkt. In der Ortschaft Pertisau, direkt am Achensee gelegen, kehrten wir in dem Gasthof Pfandler zum Mittag ein.

Da wir als Grenzübergang nach Italien die Brennerautobahn gewählt hatten fuhren, wir in Achensee – Zillertal auf die A 12 in Richtung Süden. Es war relativ wenig Verkehr auf der Autobahn, so das wir zügig und stressfrei zum Brenner gelangten. Stressfrei ??, einer unserer Kollegen, wohl durch Funk und Presse über Österreich vorgewarnt, vermutete hinter jeden Baum, Brückengeländer, Verkehrsschild oder Pannenfahrzeug eine Blitzvorrichtung. Wäre nur die Hälfte seiner Vermutungen eingetreten, könnten wir uns die Planung Dolomitentour 2004 schenken.

Direkt auf dem Brennerpass holte uns der Regen aus München wieder ein, doch wir waren schneller, und in Südtirol erwartete uns strahlender Sonnenschein. Mit jedem Kilometer Richtung Süden wurde es wärmer. Kurz vor Bozen verliessen wir die Autobahn und es erwartete uns das schönste Teilstück der Anreise. Die Einfahrt in das Eggental war Extraklasse, speziell die ersten Kilometer in denen die senkrechten Felswände bis fast an die Strasse reichen. Die Kurven, wenn auch nicht immer einsehbar, mit riesigem Spassfaktor. In Richtung Karerpass weitet sich das Tal allmählich und gibt den Blick auf den Rosengarten frei. Viel zu schnell erreichten wir unser heutiges Etappenziel den Nigglhof in Welschnofen.

Die Terrasse des Nigglhofs…

Nachdem die Moppeds abgestellt, die Zimmer bezogen und wir geduscht hatten, trafen wir uns auf der Terrasse. Von der Terrasse hat man einen tollen Blick auf den Rosengarten, fast wie im Heimatfilm. Vor dem Abendessen wurde noch die Route für den nächsten Tag festgelegt. Das Abendessen fand unsere vollste Zustimmung ( wenn man Parmesan mag). Da alle doch ziemlich erschöpft waren, endete der Abend nach maximal 2 Bier und noch bei Tageslicht.

…mit toller Aussicht auf den Rosengarten.

 

Der dritte Tag – Die Sellarunde

Ein absolutes Highlight jeder Dolomitentour ist wohl die Sellarunde. An keiner anderen Stelle findet man wohl so viele Pässe auf so engem Raum. Gegen 09:00 Uhr verliessen wir den Nigglhof in Richtung Karerpass. Mit einer Passhöhe von 1745 m, einer maximalen Steigung von

Das Pordoj-Joch

16 % und sehr gutem Belag, der ideale Einstieg für das was, noch kommen sollte. Über die SS 48 fuhren wir nach Canazei, einen der Einstiegsorte der Sellarunde. Kurz vor dem Anstieg zum Pordoijoch montierten wir auf meiner Fazer ( laufruhiger Vierzylinder Reihenmotor) das erste Mal eine Videokamera. Wie sich später herausstellen sollte, wurden die Aufnahmen ein voller Erfolg.

Endlich konnte der Angriff auf das Pordoijoch beginnen. Unser alter Tourenhase Jochen übernahm die Führung der Gruppe. Unbeeindruckt von Spitzkehren, Reisebussen und massenhaft Radfahrern forcierte Jochen das Tempo. Mit freigeblasenem Auspuff erreichten wir nach 25 tollen Serpentinen die Passhöhe auf 2239 m. Oben auf der Passhöhe erwartete uns ein grandioses Panorama. Wer etwas Zeit hat, sollte auf jeden Fall eine Seilbahnfahrt zum Sass Pordoi einplanen. Da unsere Truppe mittlerweile richtig heiss auf weitere Kurven war, blieb für die Seilbahnfahrt natürlich keine Zeit. Da Jochen in der rechten Hand bereits wieder ein kribbeln verspürte nahmen wir die Abfahrt in Richtung Arabba in Angriff. Nach 33 Spitzkehren hatten wir uns eine Cappucino-Pause redlich verdient.

Sass Pordoj

Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es weiter zum 2105 m hohen Falzaregopass. Kurz hinter dem Ort Andraz beginnt die ca. 9 km lange Anfahrt zur Passhöhe. Über 20 Spitzkehren müssen durchfahren werden bevor man den Pass erreicht. Oben angekommen hat man einen optimalen Blick auf die Marmolada, den mit 3342 m Höhe höchsten Gipfel der Dolomiten. Unmittelbar hinter dem Pass zweigt die Strasse links zum 2192 m hohen Valparolapass ab. Die Verbindung zwischen Falzarego und Valparola führt durch ein zwei Kilometer langes Geröllfeld, indem ein zerschossenes österreichisches Fort aus dem Ersten Weltkrieg liegt. Es folgt eine kurze aber steile Abfahrt in Richtung La Villa und weiter nach Corvara in Badia. Da es mittlerweile sehr heiss geworden war, wurde eine kurze Pause eingeschoben. Frisch gestärkt, ging es zum 2137 m hohen Grödner Joch. Nach unzähligen Spitzkehren bei relativ schlechtem Strassenbelag erreichten wir die Passhöhe. Viele Eindrücke vom Pass haben wir nicht sammeln können, da der obligatorische Halt doch glatt vergessen wurde. So werden wir das Grödner Joch wohl in die Dolomitenplanung 2004 noch einmal aufnehmen müssen.

Die Marmolada

Die folgende Abfahrt nach Wolkenstein wurde dann überraschend anstrengend. Mit jedem Meter abwärts wurde es wärmer und die Verkehrsdichte nahm zu. Um gegen Ende der Tour noch etwas Kultur ins Spiel zu bringen, wollten wir den Kastelruther Spatzen noch einen Besuch abstatten. Kastelruth haben wir gefunden, die Spatzen nicht. Der Ort zwar sehr reizvoll, aber leider total überlaufen, so dass wir uns schnell auf den Weg ins Eissacktal machten. Je mehr wir uns dem Bozener Talkessel näherten um so heisser wurde es. Um der Hitze möglichst schnell zu entfliehen, ging es direkt ins Eggental nach Welschnofen. Mit jedem gewonnenen Höhenmeter wurden die Temperaturen erträglicher. Mit einem gemütlichen beisammensein endete unser dritter Urlaubstag

Der vierte Tag – Die Umrundung der Marmolada

Tatsächlich schon der vierte Urlaubstag. Bevor es heute los geht, ist erst einmal technischer Dienst angesagt, der sich hauptsächlich auf die Kettenpflege konzentriert. Jochen’s Ninja muss dazu leider, wegen fehlendem Hauptständer, mit zwei Mann bearbeitet werden. Dafür kommt bei Jochen nur das Kettenfett mit P T F E gleich Polytetrafluorethylen, was jedem Biker ein Begriff sein dürfte, auf die Kette. Bei anderen hat man den Eindruck, sie wollten ihre Kette ertränken. Nur Frank hat mit der Aktion nichts am Hut. Keine Ahnung, wie sich bei dem das Hinterrad dreht. Nachdem die Ketten sauber und die Hände dreckig sind, kann es endlich losgehen.

Zum Einstieg geht es wieder über den Karerpass den wir heute das letzte Mal in östlicher Richtung befahren. Auf der bekannten SS 48 geht es weiter Richtung Canazei. In Canazei biegen wir rechts zum Fedaiapass ab. Die von uns gewählte Westrampe führt wenig spektakulär

Der Fedaia-Pass

durch einige Galerien auf den 2057 m hohen Pass. Von der Passhöhe bietet sich ein schöner Ausblick auf den Gletscher der 3342 m hohen Marmolada. Des weiteren besteht die Möglichkeit, über die Staumauer des Lago di Fedaia bis an den Fuss der Marmolada zu fahren. Es besteht zwar hier die Möglichkeit zur Pauseneinkehr, aber leider ist der Bereich total überlaufen. Die Ostrampe des Fedaia hat es dann aber in sich. Auf nur wenigen Kilometern folgt eine Serpentine der anderen. Sollten wir diesen Pass noch einmal fahren, würden wir auf jeden Fall die Ostrampe als Anfahrt wählen.

Belvedere

Für die folgende Abfahrt nach Caprile wählten wir einen kleinen Umweg über Digonera und Larzonei. Die wenigen Kilometer Umweg lohnen sich, denn der Blick dem einen das Colle S. Lucia Belvedere Panorama bietet, ist einfach unbeschreiblich. Der weitere Weg nach Frassene erwies sich als echt entspannend. Wie gesagt entspannend bis nach Frassene, da hier die Ostrampe des Cerada Passes beginnt. Mit 1369 m Sattelhöhe gehört der Pass sicherlich nicht zu den hohen Dolomitenpässen. Die Verkehrsdichte ist entsprechend gering und mit Gegenverkehr

muss kaum gerechnet werden. Die Auffahrt hat es allerdings in sich, kaum oder gar nicht einzusehende Kehren, Schlaglöcher, unebener Belag und zum teil verschmutzte Fahrbahn

Der Rolle-Pass

machen die Rampe nicht zum Kinderspiel. Oben angekommen, endlich mal ein Pass der nicht durch irgendwelche Bauten zugepflastert ist. Hier oben sagen sich Fuchs und Hase Gute Nacht. Nach einer kurzen Raucherpause, die Nichtraucher machen jede Pause mit, geht es weiter zum Rollepass.

Auf der hervorragend ausgebauten, mit zahlreichen Kehren versehenen, Südrampe zum Rolle erwischt uns dann der Regen. Da der Verkehrsfluss augenblicklich abnimmt, beschliessen wir, in San Martino di Castrozza, eine kurze Pause einzulegen. Nachdem es halbwegs trocken wurde, setzten wir die Auffahrt zum 1989 m hohen Rolle fort. Oben angekommen, der obligatorische Halt. Da das Wetter zusehends schlechter wurde, fuhren wir über die Nordrampe Richtung Predazzo. Nach dem Gesetz der grössten Gemeinheit schien in Predazzo wieder die Sonne. Da in Richtung Rolle aber immer noch pechschwarze Wolken hingen, ging es über Moena und Karerpass ab nach Hause. Fast schon traditionsgemäss endete der Tag auf der Terrasse des Nigglhofs.

Der fünfte Tag – Durch den Obstgarten

Leider schon der letzte Urlaubstag, doch der sollte es in sich haben. Im Gegensatz zu den

Der Kalterer See

vorangegangenen Tagen sollte uns der Weg diesmal westlich in Richtung Meran führen. Das erste Teilstück war über Deutschnofen Richtung Kalterer See eplant. Instinktiv verpasste Jochen die Abfahrt nach Deutschnofen und führte uns über das Lavaze – Joch. Mit einer Höhe von 1807 m gehört das Joch zwar nicht zu den ganz grossen, überrascht aber mit einer absolut tollen Streckenführung. Nach der Abfahrt in Richtung Cavalese wurde kurz vor der Ortschaft ein Tankstop eingelegt und dann passierte es. Die bestgeputzte Fazer südlich vom Brenner legte sich im Zeitlupentempo auf ihre linke Seite, der am Lenker befestigte nagelneue Boss 4000 verwandelte sich in einen Fussball und rollte Richtung Cavalese. Nachdem der Helm eingefangen und die Fazer aufgerichtet war konnte der Schaden begutachtet werden. Der Helm zeigte deutliche Gebrauchsspuren, an der Fazer war der linke Motordeckel zerkratzt, der Kupplungshebel verbogen, der Spiegel beschädigt und der Blinker zerkratzt. Na ja, es hätte schlimmer kommen können.

Nachdem der Schock überwunden war ging es über die SS 48 zum Kalterer See. Ab Neumarkt fährt man praktisch durch einen grossen Obsthof. Wer wie wir aus der Nähe des Alten Landes kommt, ist über die Grösse des Obstanbaugebietes allerding nicht geschockt. Nach einem kurzen

Aussichtsturm auf dem Mt. Penegal

Stop am Kalterer See nahmen wir den Mendelpass in Angriff. Der Mendelpass hat zwar nur eine Höhe von 1363 m überwindet aber einen Höhenunterschied von fast 1000 m. Die Auffahrt zum Pass bietet neben wunderbaren Kurven herrliche Aussichten auf das Etschtal. Jeder, der etwas Zeit erübrigen kann, sollte einen Abstecher zum 1742 m hohen Mt. Penegal einplanen. Oben auf dem Gipfel kann man einen kleinen, relativ baufälligen Aussichtsturm erklimmen. Oben angekommen, erwartet uns ein herrliches Panorama mit dem Ortler im Westen und den Dolomiten im Osten.

Auf der nun folgenden Fahrt zum Gampenpass, fuhren wir durch einen kleinen Ort mit einem sehr langen Namen Unserer lieben Frau im Walde. Ausser dem Namen gibt es hier aber nichts aussergewöhnliches, sodass wir zügig in Etschtal Richtung

Das Etschtal

Passhöhe weiterfahren. Der 1518 m hohe Gampenpass ist zwar nicht der absolute Hit, lässt sich aber flüssig und rund fahren. Da es mittlerweile wieder sehr warm geworden war, beschlossen wir Meran keinen Besuch abzustatten, sondern über Lana die Schnellstrasse Richtung Bozen zu nehmen. Da auf der Strasse starker Verkehr herrschte, verabredeten wir die Gruppe aufzulösen und uns an der Autobahnabfahrt Bozen Nord zu treffen. Klaus und Jochen gaben Gas, als wäre der Teufel hinter ihnen her. Vielleicht liegt auch hier eine der Gründe für unsere Namensgebung Schneller Reisen. Der Rest der Truppe hielt sich halbwegs an die bestehenden Verkehrsvorschriften und reiste nach dem Motto Schneller Ankommen. Nach etlichen Zigarettenlängen, kam die Abteilung Schneller Reisen nach einer unfreiwilligen Bozner Stadtrundfahrt, dann doch noch am verabredeten Treffpunkt an. Nach einer kurzen Diskussion über den Sinn bzw. Unsinn von Strassenkarten ging es dann durch das Eggental zum Nigglhof.

Der sechste Tag – Zurück nach München.

Kaum zu glauben, der Urlaub ist schon fast zu Ende. Etwas wehmütig nehmen wir Abschied vom Nigglhof und fahren das vorerst letzte Mal durch das Eggental. Diese Kurven werden uns im Norden wohl doch fehlen. Egal, mit der Überquerung des Timmelsjochs erwartet uns zum Schluss der Tour noch ein absoluter Höhepunkt. Um erst einmal ordentlich Strecke zu machen, geht es bis kurz vor Meran über die Schnellstrasse. Die Fahrt durch Meran selbst ist sehr mühselig; viel Verkehr, schmale, enge Strassen und eine gewöhnungsbedürftige Ausschilderung. Die folgende Etappe in Richtung St. Leonhard wird dann aber langsam wieder abwechslungsreicher, auch wenn hier ein starkes Verkehrsaufkommen herrscht. In St. Leonhard angekommen, wird vor dem Timmelsjoch noch ein kurzer Stop eingelegt. Da sich in St. Leonhard die Abfahrten vom Timmelsjoch und Jaufenpass treffen, kann man sich hier bei einem Kaffee genüsslich die unterschiedlichsten Motorradtypen ansehen.

Die nun folgende Südrampe des Timmelsjochs hat es gehörig in sich. Bei einer Länge von fast 30 km wird eine Höhendifferenz von fast 1800 m überwunden. Kurven, Kehren und Serpentinen, bei einer Steigung bis zu 13 Prozent, ohne Ende. Dazu Schlaglöcher, Frostschäden und stockfinstere Tunnel mit eiskalten Niederschlägen. Wirklich ein Pass der Spass macht. In 2474 m Höhe angekommen wird einem schnell klar, dass man wieder in Mitteleuropa

Gruppenbild mit Berg

angekommen ist. Ein Kassenhäuschen wurde aufgestellt. Fairerweise muss man zugeben das die Nordrampe in einem tadellosen Zustand ist. Auf den nächsten 10 km wird ein Höhenunterschied von 500 m bewältigt. Alle Kehren sind rund und flüssig zu fahren. Vorbei an den Wintersportorten Gurgl und Obergurgl geht es ins cirka 60 km lange Ötztal. Kurz hinter Sölden stoppt uns ein schwerer Motorradunfall. Man wird doch etwas nachdenklich, fährt die ersten Kilometer etwas defensiver, verdrängt das ganze und gibt wieder Gas. In Nähe der Ortschaft Brunau verlassen wir das Ötztal und fahren ein kurzes Stück über die Autobahn Richtung Imst. Über die B 179 / B 187 geht es weiter zum Fernpass. Diesen Pass kann man eigentlich vergessen, da wir aber unbedingt die Zugspitze sehen wollten gab es keine Alternative. Die Zugspitze verhüllte sich dezent in Wolken, sodass es nach einem kurzen Stopp weiter nach Garmisch – Partenkirchen ging.

Auf der A 95 angekommen überholte uns ein kleines rotes Auto, sofort blies die Abteilung Schneller Reisen zur Attacke. Mit der geballten Power von 95 bzw. 114 PS wurde die Verfolgung aufgenommen. Das Problem war nur, das der Hersteller des kleinen roten Autos seine Modelle nicht abriegelt und die Dinger alle runde 300 km/h laufen. Zum Glück war dies der einzige Ferrari heute, sodass es bei dieser einen Klatsche blieb.

 

 

Warten auf die Abfahrt

Um die Anfahrt zum Verladebahnhof in München zu beschleunigen wechselten wir auf die A 8. Pünktlich am späten Nachmittag erreichten wir den Verladebahnhof. Da bis zur Verladung noch ein wenig Zeit blieb, wurde landestypisch an einer Dönerbude gegessen. Die Verladung selbst verlief sehr zügig und wir konnten unser Abteil beziehen. Im Gegensatz zur Anreise waren alle durch die Anfahrt und die herrschende Sommerhitze doch ein bisschen geschafft. Gegen 22:00 Uhr ging mit der Abfahrt des Zuges ein schöner aber anstrengender Tag zu Ende.

Der siebte Tag – Wieder zu Hause

Diese Nacht haben wir, im Gegensatz zur Anreise, alle recht gut geschlafen. Der wolkenverhangene Himmel passt ein bisschen zur unserer Stimmung, als wir in Altona einlaufen. Nach dem Entladen der Moppeds rufen wir zu Hause an, da unsere Frauen uns mit einem Frühstücksbüffet empfangen wollen. Konnte man am Vortag die Kurven nicht zählen, würde uns das Heute bei der Rückfahrt durchs Alte Land ohne Probleme gelingen. Nach einem letzten kurzen Stop am Lühe Anleger geht es ab nach Hause, wo wir schon sehnsüchtig erwartet werden. Das Frühstück ist ausgezeichnet, und nach cirka zweistündiger angeregter Unterhaltung fährt jeder mit seinen eigenen Gedanken über die vergangene Woche nach Haus. Die Moppeds wurden zu Hause erst einmal weggestellt, oder vielleicht auch vorher noch geputzt. Beim Auspacken des Tankrucksacks und Sichtung des Kartenmaterials, könnte man ja vielleicht mal gucken, wohin geht es 2004.